Der blaue Reiter

Das Reh von Theben hat mir eine Botschaft gesandt. Voller Blut und Sühne, ganz schnell und hart und grausam. Es hat mich ins Herz getroffen und die Wunde ist weich wie vorher. Mein dunkler Krieger ist so weich und verletzlich, ich weiss nicht was ich tun soll. Ich bin so, und etappenweise und rückläufig; kinderschüchtern und froh, anschiegsam und schelmisch. Und dann ergeben und weiblich, erwartungsvoll und zärtlich, und dann kalt und aus Stein und hochmütig, verletzend und bösartig, kritisch. Dann lasse ich es sein und wende mich ab, und dann weine ich und fühle mich kindesbang. Und so ist es und wird es wohl immer sein. Verhext und komplex. Ich bin so und nicht anders.

Ich bin wieder so ganz ergriffen. Und so verliebt und so einsam und so verheult. Und so unendlich sterblich. So wie nie zuvor. So sterblich. So wie jeder und auch Steine.

Der blaue Reiter

Mein Tanzlied
Aus mir braust finstre Tanzmusik,
Meine Seele kracht in tausend Stücken;
Der Teufel holt sich mein Mißgeschick,
Um es ans brandige Herz zu drücken.
Die Rosen fliegen mir aus dem Haar
Und mein Leben saust nach allen Seiten,
So tanz ich schon seit tausend Jahr,
Seit meiner ersten Ewigkeiten.

Else Lasker-Schüler

Malerei ist Ankommen an einem anderen Ort.

Franz Marc