Das Böse

Ich dachte immer, ich sei von Natur aus böse. Böse und gemein. Oberflächlich. Unromantisch. Unfähig mit anderen zu kommunizieren. Das ist aber falsch. Das dachte ich nur. Jahrzehnte lang. Das hat mich gegeißelt, diese Überzeugung böse zu sein. Was heißt das überhaupt, böse zu sein. Man kann jemanden auch durch zuviel Gutes zerstören. Ihn weich und schwach machen. Gehorsam und brav. Das war ich auch, brav. Ich bin es satt brav zu sein. Aber böse, das bin ich nicht. Das war ich auch nie. Ich weine wenn andere leiden. Aus Mitgefühl. Aus Trauer. Das ist keine Boshaftigkeit. Das ist nur Menschlichkeit. Und vielleicht sogar das Gute. Es wäre aber anmaßend mich so zu qualifizieren. Ich bin halt nur ein Mensch, voller Fehler, Zweifel und Ängste. Und voller Hoffnung.

Das kann mir keiner nehmen. Solange ich lebe.

Böse

Das Böse ist immer nur extrem, aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie. Es kann die ganze Welt verwüsten, gerade weil es wie ein Pilz an der Oberfläche weiterwuchert. Tief aber und radikal ist immer nur das Gute.

Hannah Arendt