Platons Himmel

Was ich alles so behalten muss :

Alle Gesichter von allen Leuten behalten, inklusive aller Lachfältchen, jede Mimik.

Alle jemals geschmeckten Geschmäcke

Alles je erlebte. Alle Gesten aller Menschen die ich kenne. Und auch die schneidenden Wörter. Die, die mich verletzt haben. Und die, die ich an mir habe abprallen lassen, aber die mich doch erschüttert haben. Das sind so viele und es sind meine allerschlimmsten Feinde. Aber auch meine allerliebsten Freunde. Sie können mich so erheben und ausfüllen wie nichts anderes.

Ein Freund meinte einmal ich hätte zulange in Platons Himmel der Ideen verbracht. Ich hab das Allerschönste schon längst gesehen, ich fühle es so oft, daß es schrecklich ist. Ich suche es aber trotzdem immer noch.

Warum nicht logisch-philosophische Abhandlung des Alltags? So ist es wohl auch. Aber es klingt so dekadent. So fühle ich mich auch – eine wandelnde Kontradiktion. Das ist auch irgendwie meine Aufgabe – mir selbst ständig zu widersprechen, mein Perspektivismus des Alltags. Alle Standpunkte auf einmal einnehmen zu können. Zu müssen. Auf deutsch sind die Standpunkte am stärksten verankert, so richtig tief im Boden eingegraben. Im Grundwasser fließen sie ins Erdinnere und schaffen Energie.

Es hat mich sehr überrascht heute, dieser Vergleich.
Mich zu vergleichen, das gibt mir Würgekrämpfe.

All diese Vielfalt am Himmel; man muß ihn zu den Mustern an Schönheit und Genauigkeit zählen

Platon